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"Transit" (englisch: 1944, deutsch: 1947)

"Transit" schildert die Situation der Flüchtlinge vor dem Nationalsozialismus, die sich im Sommer 1940 am Rande Europas, in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille sammeln, um nach Übersee ins Exil zu entkommen. Der Norden Frankreichs ist bereits von den Nazis besetzt, die Truppen rücken nach Süden vor, in weiten Teilen kollaboriert das französische Vichy-Regime mit den Deutschen. Für die Verfolgten, die in Marseille auf die Genehmigung und die Möglichkeit zur Ausreise warten, bedeutet dies die permanente Furcht, nach Deutschland ausgeliefert zu werden, bevor sie mit Erlangung sämtlicher Papiere und Visa Europa verlassen können.

Der Ich-Erzähler, auf der Flucht aus einem deutschen Konzentrationslager in Frankreich abermals interniert und nochmals geflohen, soll einen Koffer überbringen. Er erfährt jedoch vom Selbstmord des Empfängers, eines aus Nazideutschland geflohenen Schriftstellers, und nimmt – erst ungewollt – dessen Identität an. Er trifft auf die ehemalige Frau des toten Schriftstellers Weidel, die ihren Mann "im Stich gelassen" hat wie so viele Menschen in den schwierigen Zeiten, mit einem andern Mann abreisen will und doch immer auf Weidels Ankunft wartet – ein Vexierspiel der Identitäten beginnt, das die Absurdität der Verhältnisse spiegelt, mit denen die Flüchtigen umgehen müssen.
Neben der thematischen und athmosphärischen Ähnlichkeit erwecken auch zahlreiche filmsequenzartige Szenen des Romans Assoziationen zu Michael Curtiz' berühmten Film "Casablanca" (1942).

Seghers begann mit der Niederschrift von "Transit" im Exil in Frankreich, wo sie nach eigener Aussage häufig in Cafés daran arbeitete. Sie beendete den Roman im mexikanischen Exil. Innerhalb ihres Werkes kommt "Transit" eine einzigartige Stellung zu: Sein dokumentarischer Charakter, auch hinsichtlich Seghers' eigener Situation ist offensichtlich; gleichzeitig erfolgt eine Fiktionalisierung der Erfahrungen durch die Gestalt des Ich-Erzählers, eines Außenstehenden, dessen Wahrnehmung und Reflexionen den Geschehnissen eine satirisch-groteske Perspektive geben.


In der Seghers-Edition kommt dem Band "Transit" eine Sonderstellung zu:
Der "Transit"-Band der neuen Werkausgabe bietet die erste authentische Buchausgabe dieses Romans in deutscher Sprache. Er basiert auf der ersten deutschen Veröffentlichung in der "Berliner Zeitung" (3. August bis 7. November 1947). Gegenüber dem Zeitungsdruck weisen die deutsche Buchausgaben, die bisher der Erstausgabe von 1948 (im Verlag Kurt Weller, Konstanz) folgten, Abweichungen durch normierende Eingriffe auf (z.B. in Wortbestand, Interpunktion, Regionalismen). Die Lücken, aber auch die Zusätze von fremder Hand wurden ermittelt durch den Vergleich des deutschen Textes mit den ersten Übersetzungen ins Spanische, Französische und Englische, die auf Basis des Manuskripts angefertigt wurden; das Manuskript selbst ist verschollen. Wo in den Übersetzungen sinngleiche bzw. - soweit das überhaupt möglich ist - wortgleiche Passagen standen, die im deutschen Text fehlten oder anders wiedergegeben waren, ist fremder Eingriff zu vermuten. Da der Abdruck von "Transit" in der Berliner Zeitung eine gegenüber der ersten Buchausgabe weitaus geringere Zahl solcher Eingriffe aufwies, wurde der Abdruck in der Zeitung dem Text der Edition zugrunde gelegt; relevante Abweichungen der Übersetzungen von diesem Text wurden im Anhang dokumentiert und erläutert. Auf diese Weise ist es gelungen, den Roman "Transit" zum ersten Mal in einer so gut wie vollständigen Version vorzulegen, die so weit an die verlorene authentische Textgestalt angenähert ist, wie dies mit philologischen Methoden ex post noch möglich ist.

Transit
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